Unsere historischen und geistlichen Wurzeln
Um Ihnen einen tieferen Einblick in unsere Gemeinde zu ermöglichen, möchten wir Sie zu unseren Wurzeln mitnehmen.
Auch wenn inzwischen bereits die zweite Generation, die in Deutschland geboren ist, heran wächst, so ist das Wissen um diese Wurzeln für viele unserer Gemeindemitglieder nach wie vor ein Teil ihrer Identität.
Trotz unserer historischen Wurzeln sehen wir uns nicht als ethnische Gemeinde.
Wir freuen uns über Christen, die einen anderen geschichtlichen Hintergrund haben und betrachten sie in unserer Gemeinde als große Bereicherung.
Aufbruch in ein fremdes Land
Im 18. Jahrhundert ließ die russische Zarin Katharina die Große, eine ehemals deutsche Prinzessin, an ihre deutschen Landsleute den Aufruf ergehen, die Riesengebiete Neu-Russlands besiedeln und kultivieren zu helfen.
Besonders stark warb die Zarin bei der Volksgruppe der Mennoniten in Westpreußen um Unterstützung. Die Mennoniten waren als Menschen bekannt, die durch Fleiß und harte Arbeit aus Sümpfen fruchtbares Land geschaffen hatten.
1788 reisten die ersten Familien nach Südrussland aus.
Weitere Einwanderungswellen von Deutschen aus Westpreußen und Schwaben folgten. Mit Bibel und Pflug wollten sie die fruchtbaren Böden für sich und ihre Kinder erobern.
Nach einer harten, mühsamen Durststrecke begannen die deutschen Gebiete aufzublühen. Baumlose Steppen verwandelten sich in Obstgärten und fruchtbare Äcker.
Rinder- und Schafherden grasten in der einst brachliegenden Wildnis. Aufgrund des starken Bevölkerungswachstums wurden kleinere Tochterkolonien in den benachbarten Gebieten der Ukraine und der Krim gegründet.
Geistliche Aufbrüche
Der christliche Glaube hat von Anfang an das Leben der Deutschen in Russland geprägt. Er war das tragende Fundament. Die engen Beziehungen zu Deutschland trugen dazu bei, dass Pastoren und Prediger aus dem Heimatland die Kolonien besuchten.
Die tief verwurzelte Frömmigkeit sowie die vollmächtigen Predigten hatten auf die Menschen große Auswirkungen. Es kam zu geistlichen Aufbrüchen. Immer mehr Menschen verstanden, dass Glaube nicht aus Traditionen besteht, sondern ganz praktisch in einer echten Nachfolge Gottes. Es entstanden Gemeinden mit Menschen, die mit Hingabe nach Gottes guten Geboten lebten und das gesellschaftliche Leben in den Dörfern stark prägten.
Chöre führten Sängerfeste durch, Kinder wurden in „Sonntagschulen“ im Wort Gottes unterwiesen und angehende Prediger in Bibelschulen ausgebildet. Das Evangelium zog Kreise und lies auch die einheimische russische Bevölkerung nicht unberührt.
Der Zerbruch
Das 20. Jahrhundert brachte die Vorahnung eines immer größer werdenden Unheils mit sich. Mit der Revolution 1917 kam eine atheistische Regierung an die Macht, die sich von Anfang an vorgenommen hatte, den Glauben an Gott in ihrem Land auszurotten.
Den wohlhabenden deutschen Landwirten wurden die Besitztümer weggenommen und viele mussten in die Verbannung nach Sibirien, wo der größte Teil von ihnen umkam.
Die Gottesdienste wurden verboten, Christen aufgrund ihres Glaubens an Jesus Christus verhaftet und umgebracht. Der christliche Glaube konnte nur noch im Untergrund gelebt werden. Trotz der Drangsal waren viele Menschen eher bereit Entbehrungen auf sich zu nehmen, als dem Glauben an Jesus Christus abzuschwören.
Die Höhepunkte der Leiden kamen jedoch mit dem
2. Weltkrieg. Durch den Einmarsch der deutschen Wehrmacht wurden die in Russland lebenden Deutschen von der russischen Regierung zu Feinden erklärt.
Es ist nicht unser Ziel und würde auch den Rahmen sprengen, die Leiden der Christen hier weiter zu thematisieren.
Zurück in die Heimat
In dieser schweren Zeit verwurzelte sich tief in den Herzen der Menschen die Sehnsucht nach der Heimat.
Erst Anfang der siebziger Jahre wurde dieser lang gehegte Wunsch für die Deutschen zur Wirklichkeit. Nach Intervention der deutschen Regierung öffnete sich der „Eiserne Vorhang“ und ermöglichte den ersten Familien den Weg nach Deutschland.

